Aufruf der Dortmunder Straßenprostituierten zu einer Demonstration am 24. März

24. März 2011 │ 14:30 Uhr │ Ravensberger Straße │ Dortmund
Zum Aufruf: Skandal im Sperrbezirk
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Am 31. März will der Rat der Stadt Dortmund über den Dortmunder Straßenstrich entscheiden: Er soll geschlossen werden. Die Stadtverwaltung meint, so den Zuzug aus Bulgarien und Rumänien beenden zu können.
:: Stellungnahme der Dortmunder Beratungsstelle Kober zum Erhalt des Straßenstrichs in Dortmund und der Zuwanderung in die Nordstadt ::

Die lokalen Medien kochen seit Wochen die Stimmung hoch: Über den Straßenstrich, angeblich steigende Kriminalität oder „vermüllte Problemhäuser“ in der Dortmunder Nordstadt (Pressemitteilung des Dortmunder Mietervereins: Problemhäuser sind ein Problem der Eigentümer und nicht der Mieter und sonstiger Nutzer) wurde fast permanent berichtet. Mitte Februar waren nach offiziellen Angaben 1511 Bulgar_innen und 1224 Rumän_innen in Dortmund gemeldet; es werden allerdings wahrscheinlich mehr sein – viele der Bulgar_innen sind Roma aus Plowdiw, Bulgariens zweitgrößter Stadt. Der EU-Beitritt Bulgariens im Jahr 2007 hat ihnen zwar ermöglicht, auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen hierher zu ziehen, aber ein vollständiger Zugang zum Arbeitsmarkt bleibt den Zugewanderten noch bis 2014 verwehrt; legal arbeiten können sie nur als Selbstständige. Dadurch sind die Möglichkeiten stark eingeschränkt. Unterstützt von medialen Rufen nach Recht und Ordnung setzen Polizei und Politik nun letztlich – wie so oft, wenn es in Europa um die Minderheit der Roma geht – auf ein „hartes Durchgreifen“ und damit auf Vertreibung.

Letzte Woche wurde der Straßenstrich für eine Razzia abgesperrt; flächendeckend wurden mehrere hundert Anwohner_innen und Passant_innen kontrolliert. Trotz heftiger Kritik der Prostituiertenberatungsstelle Kober an dem Einsatz kündigte die Dortmunder Polizei weiter verstärkte Kontrollen an. So werden einmal mehr nicht die Verhältnisse bekämpft, sondern die Frauen, die unter prekären Verhältnissen ihren Lebensunterhalt verdienen; eine rassistische Atmosphäre wird angeheizt. Deshalb hier der Demonstrationsaufruf der Dortmunder Sexarbeiterinnen für den 24. März:

Skandal im Sperrbezirk
Wir Frauen vom Dortmunder Straßenstrich gehen auf die Straße!

Am 24. März 2011 wird sich eine Gruppe der Straßenprostituierten von der Ravensberger Straße zum ersten Mal ganz bewusst in die Öffentlichkeit begeben, um vor das Dortmunder Rathaus zu ziehen und dort gegen die Schließung des Straßenstriches zu demonstrieren.

Da wir Prostituierte auch fast 10 Jahre nach Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes noch lange keine gesellschaftliche Akzeptanz erfahren, ist dies ein ganz außergewöhnlicher und mutiger Schritt. Notwendig wird er aufgrund der Tatsache, dass der Rat der Stadt Dortmund am 31. März über die mögliche Schließung des sicheren und sozialverträglichen Straßenstrichs abstimmen will.

Wir gehen einer legalen Tätigkeit nach und sind keine Kriminellen!

Wir haben Angst um unseren Arbeitsplatz.

Wir haben Angst, wieder ohne Sicherheitsanlage in abgelegenen Gebieten arbeiten zu müssen und so wieder ungeschützt gewaltbereiten Kunden und Schutzgelderpressern ausgeliefert zu werden.

Wir haben Angst, den regelmäßigen Kontakt zur Beratungsstelle Kober zu verlieren und nicht mehr Hilfe in akuten Notlagen, Beratung zum sicheren Arbeiten, zu Gesundheitsfragen und auch Ausstiegshilfen an unserem Arbeitsplatz in Anspruch nehmen zu können.

Wir haben Angst, nicht mehr die Sicherheit der eigenen Gruppe und der Polizei an einem festen Ort zu haben, sondern allein und auf uns gestellt unserer schwierigen und gefährlichen Tätigkeit nachgehen zu müssen.

Diese Ängste sind größer, als die Angst, bei einer öffentlichen Demonstration persönlich als Prostituierte erkannt zu werden.

Die Schließung des Straßenstrichs löst nicht die Probleme der Dortmunder Nordstadt!

Jeder, der sich mit uns solidarisch zeigen möchte, ist herzlich eingeladen, sich als „Stellvertreterin/Stellvertreter“ für diejenigen Frauen, die aus verschiedenen Gründen nicht an dieser Demo teilnehmen wollen/können, bei dieser Demonstration mit zu gehen.

Wir Frauen werden Perücken und Sonnenbrillen tragen und alle „Stellvertreterinnen“ können ebenfalls mit Perücke und Sonnenbrille ausgestattet unsere Anonymität in der (hoffentlich) großen Gruppe verbessern.

Treffpunkt ist am 24.03.2011 um 14:30 auf der Ravensberger Straße.

Gegen 15 Uhr wird der Demonstrationszug sich über die Bornstraße, den Ostwall , durch die City zum Dortmunder Rathaus bewegen und dort soll es von etwa 16:30 bis 17:30 eine Kundgebung von uns geben.

„Dany“ für die Frauen vom Dortmunder Straßenstrich

PS) Wer noch zusätzliche Perücken oder Sonnenbrillen hat, bitte mitbringen!

Quelle: KOmmunikations- und BERatungsstelle für Prostituierte KOBER


1 Antwort auf „Aufruf der Dortmunder Straßenprostituierten zu einer Demonstration am 24. März“


  1. 1 Aufruf der Dortmunder Straßenprostituierten zu einer Demonstration am 24. März « antifaschistische union dortmund Pingback am 22. März 2011 um 11:25 Uhr
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