Euromayday in Dortmund

Begleitet von zwei DJ-Wagen und dem Lautsprecherwagen des Euromayday-Bündnisses beteiligten sich gestern bei strahlendem Sonnenschein etwa tausend Menschen an der Parade des Euromayday Ruhr in Dortmund.
Flüchtlinge aus dem Kreis Unna demonstrierten mit einem Zaun, der die tägliche Ausgrenzung und Diskriminierung symbolisierte: Lagerunterbringung, Gutscheine oder minimale Geldleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, eingeschränkte Bewegungsfreiheit … .

Auf den Fotos unten einige Ansichten von dem mobilen Lagerzaun und weitere Eindrücke von der Euromayday-Parade (zum Vergrößern klicken):

Beatplantation

Bei der Auftaktkundgebung auf dem Nordmarkt wurde in den Interviews allerdings nicht nur um die Situation von Flüchtlingen thematisiert, sondern auch die Hetze gegen bulgarische und rumänische Migrant_innen, unter ihnen viele Angehörige der europaweit diskriminierten und marginalisierten Minderheit der Roma, die sich in der Dortmunder Nordstadt niedergelassen haben. In einer Atmosphäre, in der die Entdeckung von drei in einem Auto übernachtenden rumänischen Frauen bei polizeilichen „Kontrollen zur Kriminalitätsbekämpfung“ tatsächlich einen Zeitungsartikel wert war, beschloss der Dortmunder Stadtrat Ende März die Schließung des Straßenstrichs, deren Umsetzung allerdings noch von der Bezirksregierung Arnsberg abhängt. Polizei und Politik treiben währenddessen die Repression voran, um die osteuropäischen Migrant_innen aus Dortmund zu vertreiben; die Sexarbeiterinnen werden kriminalisiert und sollen zukünftig in noch unsichere, illegalisierte Arbeitsverhältnisse gezwungen werden.

Jedoch nicht nur gegenüber den Zugewanderten in der Nordstadt, sondern auch in anderen Fällen setzt die Stadtpolitik auf Ausgrenzung und fördert eine Atmosphäre rassistischer Diskriminierung. So äußerte etwa Christiane Krause, ordnungspolitische Sprecherin der CDU, angesichts einer Unterschriftensammlung gegen den Umzug der „Erstaufnahmeeinrichtung“ in den Stadtteil Hacheney Verständnis für die „Angst“ der Anwohner_innen, wisse „man doch nicht, welche eventuellen Gefährdungen“ eine Flüchtlingsunterkunft in der Nachbarschaft mit sich bringe.

Bei dem Umzug der kommunalen Flüchtlingsunterkunft blieb dann die Gelegenheit ungenutzt, die Betroffenen in Wohnungen unterzubringen, stattdessen wurden die Flüchtlinge nach Lütgendortmund an den Stadtrand „ausgelagert“. Dort marschierten einen Tag nach dem Umzug der Unterkunft, in der viele minderjährige unbegleitete Flüchtlinge leben, ungestört Neonazis auf.

In Dortmund bleibt also viel zu tun. Dies wird auch andere prekäre Lebenslagen betreffen, die auf dem Euromayday ebenfalls Thema waren.

Am Sonntag wurde auf der Euromayday-Parade außerdem bei einem Zwischenhalt auf der Brückstraße über die Dortmunder Naziszene berichtet, am Schauspielhaus wurden Projekte und Initiativen wie das Kunstprojekt „Unbehaust – 100 Zelte Kunst“ vorgestellt, das sich mit der Lage der Obdachlosen befassen wird, oder die Kampagne für ein Unabhängiges Zentrum Dortmund, und Schauspieler_innen des Theaters Dortmund schlossen sich mit einem riesigen Transparent „Die ganze Stadt wird unsere Leinwand“ an. Der Zug endete schließlich im Westpark. Dort lagerten die Teilnehmer_innen während des Ausklangs mit den letzten Beiträgen auf der Wiese oder tanzten weiter zu der Musik der DJ-Teams.

Eine Übersicht über alle Berichte zum Euromayday findet ihr hier .


1 Antwort auf „Euromayday in Dortmund“


  1. 1 Anarchist 03. Mai 2011 um 13:16 Uhr
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