Nachgereicht: Beitrag eines aus Afghanistan Geflüchteten zur Situation in Werne

Bei der Informationsveranstaltung über das „Leverkusener Modell“ in Werne fasste einer der anwesenden Bewohner_innen der Containerunterkunft vor der Vorstellung des Modells durch die Referentin vom Flüchtlingsrat Leverkusen die Situation und Mindestforderungen der dort lebenden Flüchtlinge zusammen. Hier die Dokumentation des stellvertretend für die in den Containern Untergebrachten gehaltenen Beitrags:

Guten Abend,

mein Name ist – – –, ich komme aus Afghanistan. Seit 14 Monaten lebe ich in einem Container in Deutschland. Ich möchte über unsere Situation in den Containern in Werne sprechen.

1. Wir wohnen mit vier Personen in einem Zimmer, das nur 15 Quadratmeter groß ist.
In einem Container leben insgesamt 10 Personen. Wir haben nur eine Toilette mit einer Dusche für uns zusammen. Es gibt keine Küche, sondern nur eine kleine Kochecke.

2. Wir müssen jeden Tag drei Stunden Sozialarbeit von acht bis elf Uhr machen.
Weil alle gleichzeitig aufstehen müssen, gibt es immer Stress untereinander, wenn wir uns die eine Dusche mit Toilette um dieselbe Zeit teilen müssen. Wenn jemand ein oder zwei Tage im Monat nicht zur Arbeit geht und keinen Krankenschein hat, wird die Sozialhilfe für den ganzen Monat gestrichen.

3. Wir wollen alle die deutsche Sprache lernen, weil wir in Deutschland leben.
Es gibt aber nur einen Deutsch-Kurs mit zwei Stunden pro Woche. Wir möchten gerne einen Sprach-Kurs mit drei oder vier Stunden pro Tag.

4. Wir möchten alle ein eigenes Bank-Konto haben.
Ich habe schon zweimal mein ganzes Geld für einen Monat verloren, weil ich das Geld in meiner Hosentasche hatte.

5. Das Wichtigste ist aber, dass wir nicht mehr in Containern leben wollen.
Auch nicht in neuen Containern. Denn auch in neuen Containern wird unsere Wohnsituation nicht wirklich besser.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Und ein besonderes Dankeschön an Frau Schillings, dass Sie gekommen sind.

Die Stadt Werne hat sich bisher allerdings keinen Millimeter bewegt. Trotz massiver Kritik der Grünen an den Zuständen in der Containerunterkunft während der letzten Sitzung des Sozialausschusses stellte Dezernent Frank Gründken die Unterbringung – in Verdrehung der Fakten – ein weiteres Mal als dem „Leverkusener Modell“ ähnlich dar. Diese Behauptung ist schlicht und einfach ein Täuschungsversuch, um den Geflüchteten ein menschenwürdigeres Wohnen weiterhin zu verweigern. Während Werne so auf der etablierten Ausgrenzung beharrt, ermöglichen andere Städte dagegen zunehmend den Umzug in Wohnungen – wie Wernes Nachbarstadt Lünen oder auch das entferntere Bremen , das gerade einen großen Schritt nach vorn bei der Abschaffung von „Sammelunterkünften“ macht.

Wohnungen für Alle!